MI 28.11.2026 UM 19 UHR
DAS WECHSELBÄLGCHEN VON CHRISTINE LAVANT
Leselichter – Wir lesen ein Buch und sprechen darüber
Ein offener Lesekreis für Frauen, die gerne über Bücher sprechen, über die Themen, die verhandelt werden, die ans Herz gehen oder den Verstand fordern, die Position beziehen. Wir zünden ein Licht an in uns.
Die Moderatorin Astrid Braun macht Vorschläge für gemeinsame Lektüre, greift aber gern auch Ideen der Leserinnen auf. Der Lesekreis findet einmal im Monat statt.
Das Wechselbälgchen:
Zitha ist vom Schicksal geschlagen. Sie ist das uneheliche Kind einer Bauernmagd, geistig zurückgeblieben und körperlich entstellt. Die Leute im Dorf, die so katholisch wie abergläubisch befangen sind, haben für das traurige Schicksal des Mädchens eine einfache Erklärung: Böse Geister haben der unglücklichen Magd nach der Geburt das Kind geraubt und ihr stattdessen ein verhextes Mädchen untergeschoben. Einen Wechselbalg, wie er aus Sagen und Gespenstergeschichten der Alpengegenden bekannt ist. Er werde das ganze Dorf ins Unglück stürzen, heißt es. So nimmt der kollektive Wahn seinen Lauf, gegen den auch die Liebe der Mutter nichts auszurichten vermag. Schließlich wird dem Mädchen sogar nach dem Leben getrachtet.
Christine Lavant beschreibt die Ausgrenzung einer Schwachen aus der dörflichen Gemeinschaft mit großer Eindringlichkeit. Die Ende der 1940er Jahre entstandene und erst 1998 posthum veröffentlichte Erzählung steht auch für die Gefährdung unserer Zivilisation, die sich nicht zuletzt zu Lebzeiten Christine Lavants in der »Vernichtung unwerten Lebens« durch die Nationalsozialisten gezeigt hat.
Der Eintritt ist frei.
