MI 28.10.2026 UM 19 UHR
DAS SCHWARZ AN DEN HÄNDEN MEINES VATERS VON LEA SCHÄTTE
Leselichter – Wir lesen ein Buch und sprechen darüber
Ein offener Lesekreis für Frauen, die gerne über Bücher sprechen, über die Themen, die verhandelt werden, die ans Herz gehen oder den Verstand fordern, die Position beziehen. Wir zünden ein Licht an in uns.
Die Moderatorin Astrid Braun macht Vorschläge für gemeinsame Lektüre, greift aber gern auch Ideen der Leserinnen auf.
Das Schwarz an den Händen meines Vaters:
Motte wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so.
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
Lena Schätte, geboren 1993 in Lüdenscheid, debütierte 2014 mit dem Roman Ruhrpottliebe. In den Folgejahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. 2026 erhielt Lena Schätte den Ingeborg-Bachmann-Preis.
Der Eintritt ist frei.
